Welche Werte zeigt eine Surfvorhersage?
Fast jede Vorhersage-App zeigt dieselben Grundgrößen, meist in Schritten von drei Stunden. Erst im Zusammenspiel zeigen sie, ob sich der Weg zum Strand lohnt.
| Wert | Einheit | Was er bedeutet | Worauf du in Marokko achtest |
|---|---|---|---|
| Swellhöhe | Meter | Durchschnittliche Höhe der Dünung auf offenem Meer | An geschützten Pointbreaks kommt oft weniger an als angezeigt |
| Swellperiode | Sekunden | Zeit zwischen zwei Wellenbergen | Ab etwa 12 s läuft der Swell sauber um Landzungen |
| Swellrichtung | Grad oder Himmelsrichtung | Woher der Swell kommt | Nordwest (um 315°) ist die klassische Richtung |
| Wind | Knoten oder km/h, plus Richtung | Stärke und Herkunft des Windes | Morgens meist schwach, ab Mittag auflandig |
| Gezeiten | Uhrzeit und Meter | Wann Hoch- und Niedrigwasser ist | Jeder Spot hat sein eigenes Tidenfenster |
Aus welcher Richtung muss der Swell kommen?
Die Pfeile in der Vorhersage zeigen, woher der Swell kommt, nicht wohin er läuft. Eine Angabe von 315° bedeutet also Nordwest.
Für die Atlantikküste Marokkos ist Nordwest die wichtigste Richtung. Die Dünung entsteht bei Tiefdruckgebieten im Nordatlantik und erreicht die Küste zwischen September und April am beständigsten.
Magic Bay in Imsouane ist ein rechter Pointbreak: Der Swell läuft um die Landzunge herum und bricht dann über rund 800 Meter in die Bucht hinein, auf großer Länge über Sand. Weicht die Richtung deutlich ab, kann die Welle in der Bucht kleiner oder unregelmäßiger ausfallen. Cathedral Point auf der offenen Seite der Landzunge bekommt den Swell direkter ab, ist kräftiger und bricht über Fels.
Was verrät die Swellperiode?
Die Periode wird am häufigsten unterschätzt. Sie gibt an, wie viele Sekunden zwischen zwei Wellenbergen liegen, und damit, wie viel Energie im Swell steckt.
- Unter etwa 9 Sekunden: Windsee aus der Nähe. Kurze, ungeordnete Wellen, die an Pointbreaks schnell an Kraft verlieren.
- 10 bis 12 Sekunden: Brauchbarer Swell, an vielen Tagen gut für Einsteiger.
- Ab etwa 13 Sekunden: Grundswell aus großer Entfernung. Die Sets kommen geordnet, mit längeren Pausen dazwischen, und haben deutlich mehr Druck.
Als Faustregel gilt: 1,5 Meter bei 15 Sekunden sind im Wasser erheblich kräftiger als 1,5 Meter bei 8 Sekunden. Eine lange Periode sorgt außerdem dafür, dass der Swell sauber um eine Landzunge herumläuft, und genau das braucht ein Pointbreak.
Wann ist der Wind gut?
Ablandiger Wind weht vom Land aufs Meer und glättet die Wellenfront. Auflandiger Wind weht vom Meer an Land und macht die Oberfläche unruhig. An der marokkanischen Atlantikküste liegt das Land grob im Osten. Wie ein Wind genau wirkt, hängt aber davon ab, wie die jeweilige Bucht ausgerichtet ist.
In Imsouane ist es morgens meist am saubersten, ab Mittag frischt auflandiger Wind auf. Unter etwa 5 Knoten bleibt das Wasser oft glatt, ab etwa 12 bis 15 Knoten auflandig wird es spürbar kabbelig. Schau dir deshalb den Windverlauf Stunde für Stunde an, nicht nur den Tagesdurchschnitt.
Welche Rolle spielen die Gezeiten?
Am Atlantik gibt es in der Regel zwei Hoch- und zwei Niedrigwasser pro Tag, jeweils gut sechs Stunden auseinander. Um Voll- und Neumond ist der Tidenhub größer (Springtide), dazwischen kleiner (Nipptide).
Welche Tide ein Spot bevorzugt, ist sehr unterschiedlich. Manche Riffe werden bei Niedrigwasser zu flach, manche Sandbänke funktionieren erst bei auflaufendem Wasser. Eine allgemeine Regel gibt es nicht, hier hilft vor allem lokales Wissen.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Die folgenden Beispiele zeigen typische Wetterlagen, keine echten Tageswerte.
| Vorhersage | Wind | Einschätzung |
|---|---|---|
| 1,8 m, 14 s, NW (315°) | morgens 3 kn, ab 13 Uhr 15 kn auflandig | Sehr guter Tag, wenn du früh ins Wasser gehst |
| 2,5 m, 7 s, W (270°) | ganztägig 20 kn auflandig | Viel Höhe, wenig Qualität |
| 0,8 m, 12 s, NW (310°) | ganztägig schwach | Klein, aber sauber, ideal zum Lernen |
| 3,5 m, 17 s, NW (320°) | morgens schwach | Großer Grundswell, nur für Erfahrene |
Beispiel 1: Richtung und Periode passen, und morgens ist kaum Wind. Das beste Zeitfenster ist klar der Vormittag, bevor der auflandige Wind einsetzt.
Beispiel 2: Die Höhe sieht verlockend aus, aber 7 Sekunden Periode und starker Wind bedeuten Windsee. Solche Tage wirken in der App groß und enttäuschen im Wasser.
Beispiel 3: Typisch für Mai bis August. Die Wellen sind klein, die Periode aber ordentlich. Magic Bay bricht dann sanft und gleichmäßig, gut für die ersten grünen Wellen.
Beispiel 4: Typisch für Dezember bis Februar. In der Bucht ist es durch die Landzunge oft etwas zahmer, auf der offenen Seite wird es schwer und schnell. Cathedral Point ist an solchen Tagen nur etwas für erfahrene Surfer.
Wie weit im Voraus ist die Vorhersage verlässlich?
Für die nächsten zwei bis drei Tage sind Swellprognosen meist recht zuverlässig, ab etwa fünf Tagen zeigen sie eher einen Trend. Der Wind ist schwerer vorherzusagen als der Swell, weil lokale Effekte an Landzungen hinzukommen.
Für die Reiseplanung ist die Saison deshalb der bessere Anhaltspunkt: September bis April für beständigen Swell, Dezember bis Februar für die größten Wellen, Mai bis August für kleinere, einsteigerfreundliche Bedingungen.
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